Aktion Medienvertrauen unterstützt durch die VDMO

Die Vereinigung der Medien-Ombudsleute unterstützt die Aktion „Medienvertrauen“. Der folgende Aufruf* richtet sich an Journalistenschulen, Universitäten, die Journalisten ausbilden bzw. Kommunikationswissenschaft betreiben, Ombudsleute der Tageszeitungen, Verlegerverbände, Journalistengewerkschaften, Medienakademien, öffentlich-rechtliche Sender und die Landesmedienanstalten. Reichen Sie ihn (ab Donnerstag) gerne an Ihre Chefredaktion bzw. die Ausbildungsverantwortlichen in Ihrem Haus weiter.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Ausbildungsstätten für Journalismus in Deutschland, der Journalismus lebt vom Vertrauen der Leser und User, der Hörer und Zuschauer in unsere Arbeit. Und dieses Vertrauen gilt es mehr denn je zu festigen – beziehungsweise dort, wo es verloren gegangen ist, zurück zu gewinnen.

 

 

 

Dass Vertrauen teilweise verloren gegangen ist, daran sind nicht nur jene gesellschaftlichen Gruppen Schuld, die von Vorurteilen leben. Jene Gruppen, die Gerüchte und Fake News verbreiten, die Hass schüren, um politisch davon zu profitieren.

 

 

 

Es gibt auch Fehlentwicklungen im Journalismus, siehe die Erkenntnisse und Rügen des Deutschen Presserats oder den Fall Relotius beim Spiegel.

 

 

 

Einer der Wege, Vertrauen zu erhalten bzw. zu schaffen, ist der direkte Kontakt mit dem Publikum. Sei es per Mail und auf anderen elektronischen Wegen, oder noch besser: im persönlichen Gespräch. Der persönliche Eindruck, den wir bei Werkstattgesprächen in Schulen, Unis, Stadtbibliotheken usw. hinterlassen, ist unschlagbar – wenn wir dabei ganz offen über alles reden, auch über das, was wir (noch) besser machen können.

 

 

 

Aus diesem Grund sollte die direkte Form der Kommunikation in die Journalistenausbildung aufgenommen werden. Anbei Vorschläge und Ideen, die natürlich je nach Bedarf verändert, erweitert und verbessert werden können. Die Möglichkeiten und Modelle, wie die Idee umgesetzt werden kann, sind völlig offen.

 

 

 

*Initiatoren sind:

 

  • Detlef Esslinger, Leiter Volontärsausbildung Süddeutsche Zeitung
  • Dirk von Gehlen, Süddeutsche Zeitung und Förderkreis Deutsche Journalistenschule
  • Bernhard Goodwin, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Friederike Herrmann, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
  • Klaus Kranewitter, Leiter der Mediaschool Bayern
  • Henriette Löwisch, Leiterin der Deutschen Journalistenschule
  • Klaus Meier, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
  • Klaus Ott, Schulprojekt Süddeutsche Zeitung
  • Carsten Reinemann, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Carola Richter, Freie Universität Berlin
  • Jörg Sadrozinski, Reporterfabrik, vormals Leiter der Deutschen Journalistenschule
  • Anton Sahlender, Vorsitzender der Vereinigung der Medien-Ombudsleute, Leseranwalt Main-Post (dort vormals in der Chefredaktion)
  • Tomas Sajdak, Technischer Leiter der Mediaschool Bayern
  • Claudia Riesmeyer, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Tanjev Schultz, Journalistisches Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

 

 

Wir und das Publikum

Journalisten gehen in Schulen, Unis, Vereine und Bibliotheken, Journalisten posten, twittern usw.

 

 

 

Jugendliche lesen heutzutage weitgehend auf dem iPhone oder Smartphone.

 

Journalistische Medien sind dort, genau betrachtet, nur einige von Millionen Anbietern.

 

Wir müssen Jugendliche oder junge Erwachsene ganz anders an unsere Medien heranführen.

 

Wir müssen unsere Leidenschaft und Verantwortung fühlbar und sichtbar machen.

 

 

 

Das Gespräch suchen

 

 

 

Journalisten sollten, wo immer das möglich ist, die Chance zum persönlichen Auftritt nutzen, zum (Werkstatt)Gespräch mit (künftigen) Lesern, Hörern, Zuschauern bzw. Usern. Journalisten sollten in Studium und Ausbildung dazu motiviert und befähigt werden, rauszugehen und zu reden. Mit praktischen Tipps, durch die Weitergabe von Erfahrungen und mit einer Art Praktikum.

 

 

 

Ein paar Vorschläge

 

 

 

Was hier geschildert wird, sind „nur“ Vorschläge, die verändert, erweitert und verbessert werden können. Die Möglichkeiten und Modelle, wie die Idee umgesetzt werden kann, sind völlig offen. Die Ausbildung soll darauf einfach vorbereiten, über unseren Journalismus zu reden und Transparenz zu schaffen. Dafür sollten wir zunehmend Formen und Formate entwickeln.

 

 

 

Ein Tag in der Ausbildung

 

 

 

Ein Tag in der Ausbildung von Volontären, Journalistenschülern und Journalistenstudenten könnte dafür genutzt werden, mit folgenden Inhalten:

 

Wie gehen wir am besten mit den Anrufen und Zuschriften von Lesern, Hörern, Zuschauern und Usern um, die sich bei uns melden.

 

Dozenten: Ombudsleute von Zeitungen usw.

 

Schulbesuche: Vorbereitung, Inhalte und Ablauf. Wie kommen Journalisten am besten ins Gespräch mit Schülern und wie können wir am besten vermitteln, was verantwortungsbewussten Journalismus ausmacht und welche Bedeutung (Pressefreiheit und Demokratie) das für die Gesellschaft hat.

 

Dozenten: Journalisten, die das bereits getan haben und ihre Erfahrungen weitergeben.

 

Twittern und posten, Blogs und Videos, auf Instagram, Snapchat und anderen Kanälen unterwegs sein.

 

Wie können/sollten Journalisten die sozialen Medien dazu nutzen, die Arbeitsweise und Bedeutung unserer Medien zu vermitteln.

 

Wie vermeiden es Journalisten, zu Neben-Politikern zu werden, die mehr meinen als erklären.

 

 

 

Und dann das Praktikum

 

 

 

Immer mehr Redaktionen, Journalistenschulen und Unis nutzen den Tag der Pressefreiheit am 3. Mai für Schulbesuche.

 

Die Auszubildenden im zweiten Volo-Jahr bzw. im letzten Jahr an den Journalistenschulen und Unis, die durch Praktika usw. bereits einiges an journalistischer Praxis  erlebt haben, machen bei diesen Schulbesuchen mit.

 

Wer sich fit genug dafür fühlt, führt selbst und alleine ein Werkstattgespräch an einer Schule.

 

Weitere Möglichkeit: Zwei Auszubildende gehen gemeinsam zu einem Werkstattgespräch in eine Schule, das gibt mehr Sicherheit.

 

Oder: Ausbildende begleiten als Praktikant einen erfahrenen Journalisten bei dessen Schulbesuch.

 

Die Ausbilder helfen bei der Einschätzung, welche Variante für wen am besten ist.

 

 

 

Ein Beispiel, das Mut macht

 

 

 

Thomas Balbierer, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Werkstattbesuch während eines SZ-Praktikums: „Ich war bei einer 10. Klasse in einer Mädchen-Realschule. Die Veranstaltung lief sehr gut, die Schülerinnen waren recht aktiv - auch, weil sie sich zur Vorbereitung ein wenig mit Journalismus auseinandergesetzt haben. Besonders interessiert waren sie an einer Reichsbürger-Recherche.“

 

 

 

Was Auszubildende für wichtig halten

 

 

 

Sandra Lohse, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt: „Kinder und Jugendliche werden mittlerweile mit  Informationsfluten in Sozialen Medien und Internet groß, haben vielleicht keine einzige gedruckte Zeitung mehr zuhause. Ich finde es deshalb wichtig, dass Journalisten mit ihnen ins Gespräch kommen können: Sowohl für die Journalisten, um zu sehen, wie Medien mittlerweile genutzt und wahrgenommen werden, aber auch für die Schüler. Sie können den Journalisten viele Fragen zu ihrer Arbeit stellen und einen Einblick bekommen in das, was Journalisten machen und vielleicht auch in das Warum sie es machen, wie sie es machen.“

 

 

 

Daniela Weichselgartner, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt: „Ich finde es sehr wichtig, mit dem Publikum in Kontakt zu treten statt „Journalismus von oben“ zu betreiben. Ich denke, besonders wir junge Journalisten können aus dem Austausch viel lernen. Vielleicht entstehen Ideen zu innovativen Formaten oder neuen Themen. Außerdem zwingt mich ein Werkstattgespräch zur Selbstreflektion: „Wie will ich später arbeiten?“, „Was ist mein Anspruch als Journalist?“, „Wie gehe ich mit dem Wandel der Medien um?“.“