Zu Gast bei einer transparenten Agentur

Das 11. Treffen der Medien-Ombudsleute bei der Deutschen Presseagentur in Berlin war so gut besucht wie nie zuvor. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen. Nicht alle sind Ombudsleute. Einige Verlage haben Vertreter entsandt, weil sie über die Einrichtung von Ombudsstellen nachdenken. Andere, so Professor Horst Pöttker, unterstützen die Vereinigung mit Rat und Tat.

 

Insgesamt ist ein Wachstum des noch zarten Pflänzchens VDMO zu registrieren. Neue Kollegen aus Weiden (Oberpfalzmedien) und München (Süddeutsche Zeitung) haben sich mit ihren Konzepten vorgestellt.

 

Dank gilt dpa-Chefredakteur Sven Gösmann und seiner Vertreterin Antje Homburger, das nicht nur für die Gastgeber-Rolle. Sie haben auch tiefe Einblicke in die Zentrale der Agentur und ihre Arbeitsgrundsätze gewährt. Dazu konnten sie ein schlüssiges und konsequentes Fehlermanagement vorstellen. Das wurde als Information und Anregung gleichermaßen angenommen. Immerhin empfiehlt es sich für Ombudsleute, auch die journalistischen Leistungen der Agentur für die Nutzer ihrer Medien transparenter zu machen.

Ein Befürworter

Stefan Niggemeier, wohl bekanntester Medienkritiker in Deutschland, war ein Gesprächspartner, der deutlich werden ließ, wie wichtig gerade auch für die Kritik am Journalismus die Recherche von Fakten ist. So lassen sich Schwächen wirklich nachvollziehbar aufzeigen. Niggemeier gab sich nicht zum ersten Mal als Befürworter der Arbeit von News-Ombudsleuten zu erkennen.

Klagemauern der Schweizer Medien

Die Schweizer Ombudsleute haben eine mehr als 100-seitige Broschüre herausgebracht. Ihr Titel: „Die Klagemauern der Schweizer Medien“. Der Herausgeber und unser Schweizer Kollege Ignaz Staub von Tamedia hat in Berlin das Werk vorgestellt. Es beinhaltet wertvolle Informationen und Anregungen für deutsche Kolleginnen und Kollegen. Hier ist die Broschüre erreichbar. Oder hier direkt zum Download für die Broschüre. Empfehle: Lesen und daraus schöpfen.

Diskussionen um 12.1. gehen weiter

Eine stellenweise kontroverse Diskussion über die erneuerte Leitlinie des Deutschen Presserates 12.1. gegen Diskriminierungen und die dazu herausgegebenen Leitlinien schloss sich an. Dabei war der sachliche Austausch von Argumenten für den weiteren Umgang mit dieser Richtlinie wahrscheinlich für alle hilfreich. Sicher scheint: Diese und andere Richtlinien werden noch manche Diskussionen unter den Ombudsleuten bestimmen.

Stellung und Zukunft der VDMO

Den Abschluss bildete eine Diskussion über die Zukunft der Vereinigung der Medien-Ombudsleute (VDMO). Es wurde beschlossen, beim nächsten Treffen ausschließlich über die Zukunft der VDMO zu sprechen. Wo kommen wir her? Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Was sind Ziele und Voraussetzungen, um diese Ziele zu erreichen? Hierzu wurde u. a. die Gründung eines Vereins angedacht.

 

VDMO-Ziel bleibt, mehr Medienhäuser dafür zu gewinnen, Ombudsstellen einzurichten. Die Vertreter/Innen der VDMO helfen gerne mit Informationen über die unterschiedlichen Möglichkeiten und geben ihre Erfahrungen weiter. Eine Erkenntnis hat bestand: Selbstkontrolle und Transparenz, die von Ombudsleuten ausgehen, werden mehr denn je gebraucht.

 

Anton Sahlender, Sprecher der VDMO

Foto: dpa/Monika Skolimowska
Foto: dpa/Monika Skolimowska

Teilnehmer/Innen am 11. Treffen der Vereinigung der Medien-Ombudsleute. Von links nach rechts - sitzend: Peter Wendt (Leserobmann Magdeburger Volksstimme), Prof. Dr. Horst Pöttker (Universität Hamburg), Anton Sahlender (Leseranwalt Main-Post), Sven Gösmann (Chefredakteur dpa), Camilla Hundt (Süderländer Tagblatt). Stehend: Ignaz Staub (Ombudsmann Tamedia), Reinhard Oldeweme (Leser-Obmann Freie Presse), Kerstin Dolde (Leseranwältin Frankenpost und Neue Presse), Ina-Maria Niessler ) Leserbotschafterin Hamburger Abendblatt),  Olaf Kittel (Ombudsmann Sächsische Zeitung), Anna Waiblinger (Braunschweiger Zeitung), Holger Drechsel (Westfälischer Anzeiger), Thomas Soyer (Leserredakteur Süddeutsche Zeitung), Thomas Bertz (TBM), Claudia Schuhmann (Redakteurin für Presserechtsfragen Main-Post), Jürgen Kandziora (Leseranwalt Oberpfalzmedien),  Antje Homburger (stellvertretende Chefredakteurin dpa), Stefan Niggemeier (uebermedien.de), Stefan Aschauer-Hundt (Süderländer Tagblatt).

 

"Die Klagemauern der Medien"
Bericht DER NEUE TAG über das VDMO-Treffen in Berlin (15.07.2017).
Der Neue Tag vdmo 15.07.2017.pdf
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